Von Fürstenfeldbruck bis in die Ruhmeshalle - Leben und Werk des
Ferdinand von Miller

Vor über hundertneuzing Jahren, genauer gesagt am 3. Oktober 1813 – dem Tag der Völkerschlacht bei Leipzig – wurde in einem kleinen bescheidenen Häuschen am Brucker Marktplatz Ferdinand Miller geboren als ältester Sohn des Uhrmachermeisters Anton Miller und dessen Frau Juliane Stiglmaier.

In einfachsten Verhältnissen aufgewachsen, wurde er von seinen Eltern schweren Herzens im Alter von nur zehn Jahren zu seinem Onkel Johann Baptist Stiglmaier nach München geschickt, wo er weit weg von seiner Familie und der geliebten Heimat auf die Bürgerschule geschickt wurde.

Mit dreizehn Jahren sollte er nach dem Willen seines Onkels, der Graveur an der königlichen Münzanstalt war, das erste eigene Geld verdienen. So wurde Ferdinand in die Lehre zu einem Goldschmied geschickt. Nach sechsjähriger harter Lehrzeit durfte er auf die sog. Feiertagsschule gehen unter dem Versprechen den ersten Preis zu bekommen, den er dann auch erhielt.

Nach diesen harten Jahren der Ausbildung bekam der junge Miller in der neu gegründeten königlichen Erzgiesserei, zu deren Leiter nun Stiglmaier ernannt worden war, eine Anstellung als Ziseleur. An Arbeit fehlte es nicht, aber jeder Guss war noch ein Experiment das wenig Sicherheit für glückliches Gelingen bot. Da das Wissen über die Kunst des Erzgusses für monumentale Standbilder verloren gegangen war, musste der kleinste Fortschritt erst teuer erkauft werden. Das machte die Arbeit mühsam und umständlich. Jeder Tag brachte neue Erfahrungen und bald hatte Ferdinand für den ihm zuerst wenig zusagenden Beruf ein lebhaftes Interesse gewonnen. Nebenbei nutzte er jede freie Stunde zum Besuch der kgl. Akademie.

Schließlich schickte Stiglmaier seinen begeisterten Neffen Ferdinand nach Paris, wo dieser als Arbeiter in den dortigen Giesserein das notwendige Wissen erlangen bzw. ausspionieren sollte. In der Zwischenzeit hatte sich in München unter dem jungen König Ludwig der 1. ein vorher nicht gekanntes künstlerisches Schaffen entwickelt. Alle Welt erzählte von den erstaunlichen werken und Plänen des kunstsinnigen Königs.

Nach Millers Rückkehr aus Paris entwickelte sich unter seinem Einfluss das bis dahin mit Stiglmaiers künstlerischem Idealismus geführte Atelier allmählich zu einer professionellen Werkstatt. 1838 ernannte Stiglmaier Miller zum Gießereiverwalter mit einem Jahresgehalt von 600 Gulden. Das ermöglichte dem jetzt 27-jährigen Miller auch die langersehnte Hochzeit mit der Landshuter Beamtentochter Anna von Pösl. Sein zwischenzeitlicher Entschluss, dem Angebot des russischen Zaren, in St. Petersburg eine Gießerei zu gründen, zu folgen, ließ er wieder fallen.

Nach dem Tod von Johann Baptist Stiglmaier wurde Ferdinand Miller von Ludwig I. zum Inspektor der Erzgießerei ernannt. Der erste Guss unter Millers Leitung war dann auch schon die Monumentalstatue der Bavaria, die 1850 bei der Theresienwiese in München aufgestellt wurde.

Nach großen Erfolgen auf der Londoner Weltausstellung gelang der internationale Durchbruch, es kamen Aufträge von allen Seiten. So ist heute kaum eine größere Stadt auf dem gesamten amerikanischen Kontinent zu finden, in der nicht ein Werk aus der Münchner Gießerei und den Namen Ferdinand v. Millers trägt steht: New York, Cincinatti, Boston, St. Louis, Philadelphia, sogar die

Bronzetüren des Capitols in Washington stammen aus München. Für Südamerika goss Miller drei Denkmäler des Simon Bolivar in Bogota, Lima, und Caracas. Bis nach Odessa und Konstantinopel gelangten Produkte der Erzgießerei.

Daneben blieben auch die Aufträge aus dem Inland nicht aus: Außer dem Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar seien nur noch der Mende-Brunnen in Leipzig und die Kolossalfigur der Germania für das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein genannt.

Der Erfolg von Millers Wirken, das weit über die Erzgießerei hinausreichte – u. a. war er Delegierter im Bayrischen Landtag und im Reichstag – zeigt sich auch in der Verleihung zahlreicher in- und ausländischer Orden und in vielen weiteren Ehrungen, so z. B. die Ehrenbürgerwürde von Fürstenfeldbruck, München und Weimar.


Dem persönlichem Adel 1852 folgte 1875 die Erhebung in den erblichen Adelsstand durch Ludwig II. Zudem gehörte Miller zu den maßgeblichen Persönlichkeiten im kulturellen Lebens Münchens.

Am 11. Februar 1887 ist Ferdinand v. Miller nach einem schaffensreichen Leben gestorben.

1914 wurde eine Büste von dem kleinen Brucker Buben, der seine Herkunft und Heimat nie vergessen hatte, in der Ruhmeshalle in unmittelbarer Nachbarschaft seines größten und imposantesten Werkes, der Bavaria aufgestellt.

Mit freundlicher Genehmigung von

Johannes von Miller
Ururenkel von Ferdinand von Miller